Ein Passivhaus stellt ein Gebäude dar, welches den Wärmebedarf zum größten Teil aus passiven Quellen erhält. Passive Quellen sind neben der Sonneneinstrahlung, Abwärme von Personen oder Geräten.
Ein gutes Passivhaus verfügt über eine sehr gute Wärmedämmung in Kombination mit der Nutzung von Sonnenergie und Lüftungsanlagen. Interne Wärmequellen gewährleisten ein angenehmes Wärmeklima, Dabei übersteigt der Heizwärmebedarf 15 kWh pro Quadratmeter im Jahr nicht.
Die Vorteile eines Passivhauses
Die Bauart und die Nutzung von passiven Wärmequellen bringen einige Vorteile mit sich.
1. Energiekostensenkung
Der wohl größte Vorteil durch die Nutzung von passiven Quellen stellt die Einsparung der Energiekosten dar. Damit keine Heizwärme durch Fenster oder Wände verloren gehen, wird eine Bauweise ohne Undichtigkeiten verwenden sowie dreifach verglaste Fenster eingebaut und die Fassade mit einem Vollwärmeschutz versehen.
Für den perfekten Betreib von Wärmepumpen und Solaranlagen sorgt nur die elektrische Energie. Damit ist das Haus völlig Unabhängig von Energiequellen wie Gas, Öl oder anderen Brennstoffen.
Der geringe Energieverbrauch geht nicht mit einem Komfortverlust einher. Vielmehr ist das Raumklima für die Bewohner äußerst angenehm. Hierfür sorgen die Wärmeabstrahlungen der Wände. Im Sommer ist es umgekehrt. Bei großer Hitze ist es im Haus angenehm kühl, wenn die Außenjalousie unten und die Fenster geschlossen sind.
2. Warmwasser durch Wärmepumpen
Durch den Einsatz von Wärmepumpen wird ebenfalls Energie und damit Kosten eingespart. Die Wärmepumpen entziehen der Umgebung die Wärme. Diese kann für Warmwasser oder zum Heizen verwendet werden. Dadurch, dass die benötigte Energie direkt aus der Umwelt und somit aus dem Erdreich, Luft oder Wasser gezogen wird, muss nur ein kleiner Anteil durch elektrische Energie gedeckt werden.
Ein weiterer Vorteil der Wärmepumpen ist die besondere Umweltfreundlichkeit aufgrund ihrer größtenteils regenerativen Energiequellennutzung. So wird die Warmwasseraufbereitung von Solaranlagen übernommen.
3. Kontrollierte Wohnraumlüftung
Unnötige Energie durch ein falsches Lüften geht bei Passivhäusern nicht verloren. Die Frischluftversorgung erfolgt durch eine kontrollierte Wohnraumlüftung. Damit ist die Luftzufuhr völlig unabhängig vom Öffnen der Fenster.
Zudem sind die Bewohner des Passivhauses weniger Belastungen ausgesetzt. Staub, Pollen, Lärm und Schadstoffe gelangen nicht mehr in das Hausinnere. Zwar können die Fenster weiterhin ganz normal geöffnet werden, aber die muss nicht mehr zwingend sein.
4. Luftdichtigkeit gegen Schimmelbildung
Mittels eines Blower-Door-Tests muss bei einem Passivhaus die Luftdichtigkeit nachgewiesen werden. Durch die kontrollierte Wohnraumlüftung bleibt die Luftfeuchtigkeit auf einem niedrigen Niveau. Dadurch ist ein Schimmelbefall bei Passivhäusern so gut wie unmöglich. Gleichzeitig wird das Problem von Feuchtigkeit bei Neubauten verhindert.
Die Nachteile von Passivhäusern
Neben den bereits ausgeführten Vorteilen, bringen Passivhäuser auch gewisse Nachteile mit sich.
1. Keine variablen Temperaturen
Die Temperaturen von Passivhäusern sind in allen Räumen in etwa gleich. Dies kann ein Nachteil sein für alle, welche im Schlafzimmer gerne niedrigere und im Badezimmer etwas höhere Temperaturen wünschen. Ein Heizkörper kann weder zurückgedreht noch etwas stärker aufgedreht werden. Nächtliche Kippen von Fenster über Nacht führen dazu, dass sich die komplette kalte Luft im ganzen Haus verteilt. Das Fehlen von Heizkörpern sorgt zudem für einige Menschen für Unbehagen.
2. Trockene Luft
Eine Begleiterscheinung der Lüftungsanlage ist die oftmals zu trockene Luft. Gerade wenn die Bewohner im Winter außer Haus sind, wird die Luft häufig zu trocken. Wer die Lüftungsanlage beim Verlassen des Hauses auf die niedrigste Stufe stellt, nimmt in Kauf, dass das Haus Auskühlt und die benötigte Restwärme nur noch über die Lüftungsanlage ins Haus gelangen kann.
Abhilfe verschafft das vermehrte Aufstellen von Zimmerpflanzen und die Verwendung von speziellen Luftbefeuchtern. Dies ist jedoch nicht zu empfehlen, weshalb in der Praxis sich nur die Entkoppelung der zugeführten Wärmemenge vom Luftstrom bewährt hat.
3. Undichte Stellen
Undichte Stellen in der Gebäudehülle lassen den Energieverrauch sehr stark ansteigen, da Luft in das Haus eindringen kann ohne vorher vom Wärmetauscher vorgewärmt worden zu sein. Eine sorgfältige Bauplanung inklusiver aller Details ist unumgänglich. Trotzen können später auftretende Undichtigkeiten nicht vollständig ausgeschlossen werden. Die verwendeten Baumaterialien arbeiten und Altern mit der Zeit. Holz in etwa schwindet oder bewegt sich, die Acryl- und Silikonfugen können reißen und der PU-Schaum kann porös werden. Deshalb ist eine Verschlechterung des zuvor niedrigen Energieverbrauches nahezu unvermeidlich.